Sieben Jahre gewartet auf den Microlino – und dann wurde die Abholung zur Reise
Elektrisch unterwegs im Alltag
7 Jahre gewartet auf den Microlino
Als der Microlino 2016 in Genf Premiere feierte, war für uns sofort klar: Dieses Elektrofahrzeug passt zu unserer Vorstellung von urbaner Mobilität. Sieben Jahre später holten wir in München unseren Microlino ab.
Manchmal beginnt eine lange Geschichte mit einem einzigen Blick. Im März 2016, auf dem Genfer Autosalon, stand er da: klein, elektrisch, ungewöhnlich – und für uns sofort genau das Fahrzeug, das wir uns für den urbanen Raum wünschten. Kein übergroßes Auto für lange Reisen, sondern eine Antwort auf viele Strecken des Alltags.
Noch bevor es überhaupt eine Reservierungsplattform gab, schrieben wir eine E-Mail in die Schweiz und ließen uns vormerken. Was damals eine frühe Begeisterung für ein spannendes Konzept war, wurde für uns zu einer Geduldsprobe.
Manchmal beginnt eine lange Geschichte mit einem einzigen Blick. –Wolfgang Streicher-
Frühe Begeisterung in Genf
Die Begeisterung für den Microlino blieb keine flüchtige Messe-Impression. Wir fragten immer wieder nach, hielten unsere Reservierung präsent und verfolgten die Entwicklung des Fahrzeugs über Jahre hinweg. Aus einer frühen Idee wurde Schritt für Schritt ein reales Projekt, auch wenn der Weg dorthin deutlich länger war, als wir anfangs gedacht hatten.
Sieben Jahre Wartezeit sind lang. Aber sie erzählen auch etwas über unsere Beziehung zu diesem Fahrzeug: Der Microlino war für uns nie einfach nur ein neues Auto. Er stand von Anfang an für eine andere Vorstellung von Mobilität – reduzierter, leichter und passender für viele Wege, die im Alltag eben nicht quer durch ein ganzes Land führen.
Vom Konzept zum Serienfahrzeug
Im Lauf dieser Jahre veränderte sich das Fahrzeug deutlich. Aus dem frühen Microlino 1.0 wurde der heutige Microlino 2.0 – technisch reifer, sicherer und alltagstauglicher. Statt eines Rohrrahmens bekam er eine Sicherheitszelle aus Stahl und Aluminium. Die hintere Achse wurde verbreitert, der Kofferraum größer, das gesamte Konzept noch einmal neu gedacht.
Genau das machte das lange Warten für uns ambivalent. Einerseits zog sich die Auslieferung immer weiter hinaus. Andererseits war gut zu sehen, dass hier nicht einfach an einer ersten Idee festgehalten wurde, sondern dass das Fahrzeug konsequent weiterentwickelt wurde.
Als wir unseren Microlino schließlich tatsächlich in Empfang nehmen konnten, lagen zwischen dem ersten Eindruck in Genf und der Realität auf der Straße sieben Jahre. Aus Vorfreude war in dieser Zeit eine Erwartung geworden – und schon fast eine kleine gemeinsame Geschichte.
Microlino im Überblick
- Fahrzeugklasse: L7e
- Akkuvarianten: 10,5 kWh und 15 kWh
- Reichweite: bis zu 120 bzw. 200 Kilometer, je nach Fahrweise und Bedingungen
- Ladeleistung: bis zu 2,7 kW
- Laden an Wallbox, Typ-II-Ladesäule oder Haushaltssteckdose
- Gedrosselte 45-km/h-Version für junge Fahrerinnen und Fahrer mit Führerscheinklasse AM möglich
Abholung in München
Im Mai 2023 war es dann so weit. In der Schweiz waren bereits erste Fahrzeuge ausgeliefert worden, nun begann auch in Deutschland die Übergabe an Kundinnen und Kunden. Und tatsächlich gehörten wir zu den Ersten: Wir bekamen den ersten Microlino, der in Deutschland an Kunden übergeben wurde.
Schon dieser Umstand machte die Fahrt nach München besonders. Für uns war die Abholung weit mehr als die Übernahme eines neuen Fahrzeugs. Sie war der Schlusspunkt unter eine lange Zeit des Wartens – und gleichzeitig der Anfang von etwas Neuem.
Die Zulassung hatten wir vorab selbst bei der Kfz-Zulassungsstelle in Böblingen erledigt. Ganz reibungslos lief das noch nicht, denn der Microlino war damals in vielen Abläufen so neu, dass seine genaue Einordnung nicht überall sofort klar war. Gerade daran ließ sich aber auch ablesen, wie früh wir mit diesem Fahrzeug tatsächlich unterwegs waren.
Im Münchner Showroom bekamen wir die Einweisung. Viel gibt es beim Microlino nicht zu erklären – und genau das gehört zu seinem Konzept. Er will kein überfrachtetes Hightech-Produkt sein, sondern eine kompakte Lösung für überschaubare Strecken. Danach wurden die Kennzeichen montiert. Dann kam dieser Moment, auf den wir so lange gewartet hatten: einsteigen, losfahren, heimwärts.
Heimfahrt mit fast leerem Akku
Natürlich hatten wir für diesen Tag noch mehr vor. Auf der Rückfahrt wollten wir eigentlich auch einen Zwischenstopp bei der Firma Steiff einlegen, um das Museum zu besuchen. Doch wie so oft auf Reisen entwickelte der Tag schnell seine eigene Dramaturgie.
Mit mehreren Ladestopps hatten wir gerechnet. Trotzdem zeigte sich unterwegs, dass Planung und Praxis nicht immer deckungsgleich sind. Kurz vor Giengen lag der Akkustand nur noch bei vier Prozent, und wir suchten beinahe verzweifelt nach einer Lademöglichkeit. Und unsere Fahrzeugabholung entwickelte sich plötzlich zu einer Reiseabenteuergeschichte mit offenem Ausgang.
Zum Glück fanden wir bei einer Gärtnerei eine Ladesäule und konnten die Fahrt fortsetzen. In Giengen angekommen, war an eine direkte Weiterfahrt zunächst trotzdem nicht mehr zu denken. Also gingen wir erst einmal essen – und fanden mit Unterstützung des Restaurants sogar noch eine Übernachtungsmöglichkeit.
Unser Kameramann Mario Raster, der uns begleitet hatte, konnte leider nicht bleiben, weil er am nächsten Tag wieder arbeiten musste, und fuhr allein weiter. Wir selbst nutzten den ungeplanten Zwischenstopp am nächsten Morgen, um doch noch ein kurzes Gespräch mit der Museumsleitung von Steiff zu führen. So wurde aus einem fast gescheiterten Programmpunkt noch eine schöne Begegnung am Rande dieser besonderen Reise.
Danach ging es weiter Richtung Heimat. In Metzingen legten wir noch einen weiteren Ladestopp ein und kamen schließlich gut zu Hause an – mit einem Fahrzeug, auf das wir so lange gewartet hatten, und mit dem Gefühl, dass die eigentliche Geschichte mit unserem Microlino jetzt erst so richtig beginnt.
Wie alltagstauglich ist der Microlino?
Heute nutzen wir den Microlino vor allem im Umkreis von etwa 50 Kilometern – für Fahrten in die nahe gelegenen Städte Leonberg, Sindelfingen oder Calw, für Besuche und Besorgungen im Alltag. Rund 5.000 Kilometer im Jahr kommen so zusammen. Für unsere Wege passt das Fahrzeugkonzept erstaunlich gut.
Der Kofferraum ist alltagstauglicher, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Für den Einkauf in einem Zwei-Personen-Haushalt reicht er gut aus. Selbst drei Getränkekisten gehen hinein.
Auch auf der Straße hat uns der Microlino überzeugt: Das Fahr- und Kurvenverhalten empfinden wir als gut, der Geräuschpegel ist etwas höher, für uns aber völlig in Ordnung. Mit einem zusätzlichen Filzeinsatz konnten wir die Geräuschdämmung noch etwas verbessern. Die Sitze aus dem Premium-Paket sind angenehm, und das Schiebedach sorgt in der warmen Jahreszeit für guten Luftaustausch.
Praktisch finden wir außerdem, dass sich der Microlino an einer normalen Haushaltssteckdose laden lässt. Eine Wallbox ist damit nicht zwingend notwendig. Gerade im Alltag schätzen wir genau diese unkomplizierte Seite des Fahrzeugs.
Ein Fahrzeug für die Nische
Je länger wir den Microlino nutzen, desto klarer wird uns: Er ist kein Auto für alle Fälle. Aber genau das muss er auch nicht sein. Seine Stärke liegt nicht darin, alles zu können, sondern darin, für einen bestimmten Einsatzbereich sehr stimmig zu sein.
Kurze und mittlere Wege, Einkäufe, Termine, Stadt und Umland – dafür passt das Konzept. Der Microlino gehört zur Fahrzeugklasse L7e, also zu den leichten vierrädrigen Kraftfahrzeugen. Diese Kategorie ist weder klassischer Pkw noch Motorrad, sondern eine eigene Klasse für kompakte, leichte Fahrzeuge, die vor allem für urbanen und stadtnahen Verkehr interessant ist.
Genau dort sehen wir seine Qualität. Der Microlino ist ein bewusst reduziertes Elektrofahrzeug. Er will kein Ersatz für andere Fahrzeugkonzepte sein. Aber für die Wege, die wir oft fahren, funktioniert er für uns sehr gut. Vielleicht liegt gerade darin seine eigentliche Stärke: nicht alles sein zu wollen, sondern für bestimmte Strecken genau das Richtige zu sein.
Und manchmal beginnt eine neue Form von Mobilität eben mit einer E-Mail, sieben Jahren Geduld – und einer Heimfahrt, die spannender wird als geplant.
Zahlen, Daten, Fakten
ÜBER WOLFGANG UND ALOISIA STREICHER
Seit fast 16 Jahren sind sie begeistert von elektrischer Fortbewegung auf zwei und vier Rädern. Aloisia und Wolfgang Streicher leben und lieben elektrische Mobilität — aus Überzeugung, aus Erfahrung und mit viel Freude an neuen Wegen. Ob mit dem E-Moped, dem E-Roller oder jetzt mit ihrem Microlino.
ÜBER DEN HERSTELLER
Hinter dem Microlino steht die Schweizer Micro Mobility Systems AG, bekannt durch ihre Micro Scooter. Aus der Idee der Gründerfamilie Ouboter entstand mit dem Microlino ein kompaktes elektrisches Leichtfahrzeug für Stadt und Umland. Die eigenständige Marke Microlino wird heute über die Microlino AG geführt und steht für eine bewusst reduzierte Form der Elektromobilität: klein, wendig, ressourcenschonend und auf die alltäglichen Wege im urbanen Raum zugeschnitten.
Microlino Website:
www.microlino-car.com Microlino
EMPFEHLUNG DER REDAKTION
Das Interview mit Wim Ouboter, Gründer und CEO von Micro Mobility Systems demnächst hier, auf hochblau.com.
ABBILDUNGEN
Beitragsbild © Aloisia und Michael Streicher, restliche Abbildungen siehe Bildunterzeilen
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