Achtsamkeit im Alltag: Frühlingserwachen und Innehalten
Kolumne: Achtsame Momentaufnahmen
Frühlingserwachen und Innehalten
Vom nahenden Frühling, der mit bunten Farben nach draußen lockt, vom Kommen und Gehen der Dinge und vom „einfach mal kurz innehalten“.
Von Patricia Roß
16.3.2026
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Es ist schon wieder Mitte März. (Hat das Jahr nicht gerade erst begonnen?) Der Frühling nähert sich in großen Schritten, auch wenn es bis zum offiziellen Frühlingsanfang noch ein paar Tage dauert. Die ersten warmen Tage liegen hinter uns – nasskaltes Grau und erstaunliche Mengen Schnee wurden jüngst von strahlendem Sonnenschein, wolkenlosem Himmel und Temperaturen nahe der 20-Grad-Marke abgelöst.
Der Frühling erwacht
Mich zieht der aufkommende Frühling unweigerlich nach draußen, wie jedes Jahr: Meinen Kaffee trinke ich jetzt gerne wieder im Garten – ein paar Minuten Schaukeln im Hängesessel mit Blick auf Gänseblümchen, Tulpen und Krokusse. Wenn ich es mir zeitlich einrichten kann, mache ich in der Mittagspause gerne einen kleinen Spaziergang – vorbei an Hühnern, Katzen und immer mehr blühenden Pflanzen. Obwohl die meisten Bäume ihre frisch-grünen Blätter des neuen Jahres noch im Verborgenen halten, gab es in den letzten Tagen wahre Farbenexplosionen in der Natur: weiße, rosa, pinke und gelbe Blüten an Büschen und Bäumen leuchten um die Wette und zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich kann nicht anders – ich muss kurz innehalten und diesen Anblick in mich aufnehmen.
Was ich in solchen Momenten immer wieder feststelle: Es sind oft Kleinigkeiten, die mir guttun und Energie spenden. Kleine Pausen, für die ich mir im Alltag – obwohl oder gerade weil er oft sehr vollgepackt ist – bewusst Zeit nehme. Ein paar Minuten Ruhe, Sonne, mich über das Frühlingserwachen der Natur freuen.
Alles kommt und geht
Woran mich das farbenfrohe Naturschauspiel regelmäßig erinnert: Alles kommt und geht – so wie die Natur im Rhythmus der Jahreszeiten, wie Tag und Nacht, Leben und Tod. Auch Gefühle kommen und gehen. Laut Neurowissenschaftlerin Dr. Jill Bolte Taylor haben Emotionen einen biochemischen Lebenszyklus von 90 Sekunden und ebben dann wieder ab. Eigentlich – aber warum finden wir uns dann trotzdem immer wieder in Gedankenschleifen wieder, warum stressen uns Dinge (auch über die besagten 90 Sekunden hinaus), warum hallt manche Emotion weitaus länger in uns nach? Und: Wie können wir gelassener werden?
Ich beschäftige mich momentan aktiv mit dem Thema Stressmanagement. Dabei kommen unweigerlich eine ganze Reihe an Fragen in mir auf: Nehmen wir uns im Alltag Zeit, um wirklich wahrzunehmen, was gerade ist? Egal ob im Außen oder im Innen. Sind wir achtsam, oder rauschen wir durchs Leben und durch unsere Tage? Können wir uns überhaupt noch bewusst spüren – unseren Körper, unsere Gefühle? Gibt es in der heutigen Zeit noch Phasen echter Ruhe, oder sind wir nicht vielmehr pausenlos mit irgendetwas beschäftigt? Was macht das mit unserem Stresslevel und Nervensystem? Was passiert, wenn wir für einen Moment das Karussell der alltäglichen Verpflichtungen und des Dauerrauschens anhalten und aussteigen – wie fühlt sich bewusstes Innehalten an?
Kurz mal innehalten
Weil ein „kurz mal innehalten“ gar nicht so leicht ist, wie es vielleicht klingen mag, übe ich genau das in jüngster Zeit regelmäßig. In einem Workshop zum Thema Stressmanagement habe ich vor Kurzem eine Übung kennengelernt, die genau darauf abzielt:
Ich sehe dich.
Ich höre dich.
Ich fühle dich.
Dazu hält man im Tagesverlauf hin und wieder kurz inne, wiederholt (innerlich oder auch laut ausgesprochen) diese drei Sätze und spürt dabei in sich hinein. Man kann „dich“ dabei auch durch „mich“ ersetzen. Beides funktioniert und lädt dazu ein, für einen Augenblick achtsam zu sein.
Es dauert nur einen Moment, aber die Übung bietet die Möglichkeit, immer mal wieder kurz bei sich selbst einzuchecken und in sich hineinzuhorchen. Den Alltagstrubel für einen Moment zu unterbrechen und durchzuatmen. Das funktioniert auch unterwegs, und kann mit etwas Übung auch in stressigen Momenten zum Runterregulieren genutzt werden.
An meinem Handgelenk trage ich neuerdings ein zartrosa schimmerndes Armband mit einer goldenen Lotusblüte, das mich an diese kleinen Check-ins mit mir selbst erinnert. Es war ein Geschenk der Workshop-Leiterin an alle Teilnehmerinnen, ein Symbol: Wir dürfen uns Anker setzen. Wir dürfen uns mit uns selbst verbinden. Und miteinander. Wir dürfen das üben. Denn das tut gut.
Interessieren dich weitere Tipps zum Thema Stressmanagement? Hast du Themenwünsche rund um das Thema Achtsamkeit? Dann melde dich sehr gerne unter achtsamkeit@hochblau.de
Zahlen, Daten, Fakten
KOLUMNE "ACHTSAME MOMENTAUFNAHMEN"
Patricia Roß schreibt regelmäßig über achtsame Momentaufnahmen, für mehr Achtsamkeit im Alltag.
ÜBER PATRICIA ROSS
Redakteurin Patricia Roß schreibt für das hochblau Magazin über die Themen Ernährung, Gesundheit, Achtsamkeit und Regionales. Seit Juni 2025 schreibt sie zudem die regelmäßige Kolumne "Achtsame Momentaufnahmen".
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Beitragsbild © Patricia Roß
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