– Anzeige –

Sonnensystem erleben – Wandern auf dem Bad Kreuznacher Planetenweg

– Anzeige –

Kosmos und Kindheitserinnerungen

Wandern auf dem Bad Kreuznacher Planetenweg

Wer den Bad Kreuznacher Planetenweg entlangwandert, durchquert unser gesamtes Sonnensystem – im Maßstab eins zu einer Milliarde. Mein Vater hat mich auf dem Weg entlang der Planeten begleitet.


Von Marie Breitenbach
14.08.2025 - 09:56
Lesezeit: ca. 5 Minuten


GOLDEN UND PRUNKVOLL Die eindrucksvolle Skulptur der Sonne markiert den Start auf dem Planetenweg Foto: Marie Breitenbach

Es war ein Julitag mit durchwachsenem Wetter – mal bewölkt, mal sonnig, zwischendurch ein paar Tropfen Regen. Genau das richtige für eine Wanderung. Nicht zu warm und nicht zu kalt. Mein Vater und ich hatten uns vorgenommen, den Bad Kreuznacher Planetenweg zu laufen – ein etwa fünf Kilometer langer Themenweg entlang der Nahe, der unser Sonnensystem im Maßstab 1:1.000.000.000 (1 Milliarde) darstellt.

Wir brauchten für den Planetenweg etwa vier Stunden – zwei Stunden hin, zwei zurück und haben uns dabei viel Zeit zum Schauen, Reden und Pausieren genommen. Es war kein spektakuläres Abenteuer, aber ein ruhiger, schöner Tag mit vielen kleinen Momenten, die uns in Erinnerung bleiben werden.

Start mit der Sonne – golden und prunkvoll

Unser Weg beginnt dort, wo alles beginnt: bei der Sonne. Auf der Roseninsel in Bad Kreuznach funkelt eine prunkvolle, goldene Skulptur und markiert den Start hinein ins Abenteuer Planetenweg. Sie bildet den Ausgangspunkt für eine Reise, die nicht nur lehrreich ist, sondern auch landschaftlich begeistert. Neben der Sonne ist eine Infotafel aufgebaut, die neben weiteren Informationen den Wanderweg abbildet.

Auf dem Parkgelände– auf Metallscheiben – sind die Planeten abgebildet, dazu präzise Infos: Durchmesser, Sonnenabstand, Temperatur, Rotationsperiode, Umlaufzeit. Durch den veranschaulichten Maßstab wird klar: Schon ein paar Schritte von der Sonne entfernt wachsen die Dimensionen um ein Vielfaches.

MERKUR – VENUS – ERDE Auf Metalltafeln sind die Planeten entlang des Weges dargestellt Fotos: Marie Breitenbach

Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel

Es gibt einen schönen Merksatz, mit dem man sich die Reihenfolge der Planeten merken kann: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel. Die Anfangsbuchstaben stehen für die Namen der Planeten und ihre Reihenfolge im Sonnensystem: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn Uranus und Neptun.

Diesen Merksatz hat mein Vater mir schon als Kind beigebracht – damals noch mit Pluto als neuntem Planeten und der Endung "…unsere neun Planeten". Heute gilt Pluto nicht mehr als Planet. Die Internationale Astronomische Union stufte ihn 2006 zum Zwergplaneten herab. Trotzdem gehört er auf dem Planetenweg noch dazu. Und für uns sowieso!

VON NACHBARN UND RINGEN Mars und Jupiter befinden sich noch an der Roseninsel – nicht weit voneinander entfernt. Der Saturn ist im Salinental zu finden Fotos: Marie Breitenbach

Wir gehen weiter: Merkur, Venus, Erde, Mars – sie alle liegen noch auf der Roseninsel. Dann verlassen wir das innere Zentrum des Sonnensystems und folgen dem Weg entlang der Nahe in Richtung Gesundheitspark Salinental. Dort soll der Saturn zu finden sein.

Warum eigentlich "Gesundheitspark"? Der Name ist kein Zufall: Die zahlreichen Gradierwerke im Salinental haben eine gesundheitsfördernde Wirkung. Durch das Versprühen der salzhaltigen Luft entsteht ein Mikroklima, das besonders bei Atemwegserkrankungen wohltuend wirkt und die Luftqualität verbessert. Deshalb wird das Salinental auch als Kurgebiet geschätzt.

Auch das Pumpenhaus der Saline Karlshalle liegt auf unserem Weg. Es wurde 1732 unter Kurfürst Karl Philipp erbaut. Verschiedene Wasserräder – zunächst aus Holz, später aus Eisen – dienten als Kraftantrieb für die Solewasserpumpe und das Feldgestänge. Erst ab 1997 wurde das Pumpenhaus als Stromlieferant genutzt.

URANUS Der siebte Planet ist in Bad Münster zu finden Foto: Marie Breitenbach

Bad Münster und der Rotenfels

Über die sogenannte "Schwimmbadbrücke" am Kanu-Slalom vorbei, entlang des Salinenbads – dem städtischen Freibad – und den Gradierwerken zieht es uns weiter in Richtung Bad Münster am Stein.

Langsam kommt der mächtige Rotenfels in Sichtweite – mit 202 Metern die höchste Steilwand nördlich der Alpen bis Skandinavien. Auf einer Höhe von 327 Metern über dem Meeresspiegel erstreckt er sich über eine Breite von zwei Kilometern. Inmitten dieser beeindruckenden Kulisse, eingerahmt von Fluss und Felsen, begegnen uns die nächsten Planeten – Saturn und Uranus.

Zwischendurch nieselt es leicht, dann zeigt sich wieder die Sonne – das wechselhafte Wetter kann uns nichts anhaben. Unsere Wanderausrüstung ist wetterfest und unsere Stimmung gut! Am Kapitän-Lorenz-Ufer, benannt nach einem verdienten Ehrenbürger des Kurorts, legen wir die erste kleine Pause ein: ein Eis für mich, ein Cappuccino für meinen Papa.

PAUSE UND FELSEN Vor dem imposanten Rotenfels machen wir Pause, mit Eis und Cappuccino. Der Rotenfels bei Bad Münster am Stein ist die höchste Steilwand nördlich der Alpen mit rund 200 m Höhe Fotos: Marie Breitenbach

Natur und Geschichte am Nahe Ufer

Weiter geht es durch den Kurpark von Bad Münster. Vorbei am alten Wasserturm und dem historischen Kurmittelhaus, wo im Advent der romantische Weihnachtsmarkt stattfindet. Der Weg folgt immer der Nahe – vorbei am Wasserrad (leider inzwischen außer Betrieb), dem Bootsverleih und einer kleinen Fähre, die einst zum Märchenhain führte.

Der Märchenhain war ein naturnaher Park mit liebevoll gestalteten Märchenfiguren und -häuschen, der in den 1920er Jahren eingerichtet wurde. Er lag im Huttental, einem geschützten Naturschutzgebiet am Fuße des Rheingrafensteins. Die handgezogene Fähre verband den Kurpark mit dem Märchenhain und war ein beliebtes Ausflugsziel, besonders für Familien. Heute existiert der Märchenhain am ursprünglichen Ort nicht mehr, aber viele der Figuren wurden gerettet und können in Niederheimbach besichtigt werden.

An der Stelle des Märchenhains stand früher das Gasthaus „Grenztisch am Huttental“, das 1998 abbrannte. Seit 2004 bemüht sich der Verein „Schönes BME e.V.“, diesen besonderen Ort wiederzubeleben. Inmitten dieser ruhigen Landschaft lebt die Würfelnatter, eine ungiftige und vom Aussterben bedrohte Schlange. Mein Vater hoffte, wir würden eine sehen – doch zu meinem Bedauern zeigt sie sich uns an diesem Tag nicht.

DAS VERSTECK DES NEPTUN Zwischen Blättern aus sattem grün versteckt, finden wir den Neptun Fotos: Marie Breitenbach

Das Versteck des Neptun

Dafür entdecken wir etwas anderes: ein kleines Mysterium. Neptun, einer der äußeren Gasriesen, ist so gut getarnt, dass wir ihn fast übersehen. Er liegt versteckt in einem dichten Gebüsch – von Blättern fast völlig verdeckt.„Das Versteck des Neptun“, nennt mein Vater diesen Fund lachend – und genau so bleibt er mir in Erinnerung: nicht nur als Planet, sondern als kleiner versteckter Schatz am Wegesrand.

Ankunft in Ebernburg – und Pluto

Hinter dem Sportplatz auf dem Radweg nach Niederhausen erreichen wir schließlich den Pluto. Unser Ziel. Etwas erschöpft, aber zufrieden stehen wir dort – und merken, wie weit wir gewandert sind. Hier ganz in der Nähe finden auch die jährlichen Ritterspiele im Zuge des Mittelaltermarktes Ebernburg statt.

Zur Belohnung gibt es für mich das zweite Eis des Tages – diesmal in Ebernburg. Dann geht es zurück. Den ganzen Weg – noch einmal durchs Sonnensystem. Diesmal rückwärts.

KLEINPLANET So gesehen zählt Pluto nicht mehr zu den Planeten. Seinen Platz am Ende des Weges hat er aber noch immer Foto: Marie Breitenbach

Der Bad Kreuznacher Planetenweg ist mehr als ein Spaziergang durch ein Modell des Sonnensystems. Er ist eine Einladung, gemeinsam Zeit zu verbringen.
Für mich war es etwas Besonderes, diesen Weg gemeinsam mit meinem Vater zu gehen. Er hat mir viel über die Planeten und unser Sonnensystem erklärt – so, wie er es schon getan hat, als ich klein war.

Der Planetenweg verläuft überwiegend auf einem ebenen und gut ausgebauten Rad- und Fußweg entlang der Nahe. Der Untergrund ist größtenteils asphaltiert oder befestigt, sodass er auch mit Kinderwagen, Rollstuhl oder dem Fahrrad problemlos befahrbar ist – was ihn zu einem Ausflug für alle macht, die sich gern mit offenem Blick durch das Universum (und durch Bad Kreuznach) bewegen möchten.

Zahlen, Daten, Fakten

ÜBER DEN PLANETENWEG BAD KREUZNACH

  • Länge: ca. 5,9 km (einfach), 12 km hin & zurück
  • Dauer: ca. 1,5 Std. einfach, etwa 3 Std. gesamt
  • Start/Ziel: Roseninsel im Kurpark Bad Kreuznach (Sonne) – Pluto in Ebernburg
  • Besonderheit: Sonnensystem im Maßstab 1 : 1 Mrd., 9 Info-Stationen
  • Weg: entlang der Nahe, Kinderwagen, Rollstuhl und Fahrradtauglich
  • Beste Zeit: Frühling bis Herbst (Auch im Winter schön)

Weitere Informationen, eine Übersichtskarte zum Planetenweg und Beschreibungen zu den Planeten hat die Sternwarte Bad Kreuznach in einer PDF-Broschüre zusammengestellt. Den Link zur PDF findest du hier:
Planetenweg-Broschüre der Sternwarte Bad Kreuznach als PDF-Download

EMPFEHLUNG DER REDAKTION
KNEIPP-ANWENDUNGEN ERLEBEN Vom Wassertreten im Storchengang nach Sebastian Kneipp bis zur salzhaltigen Luft der Gradierwerke – traditionelle Gesundheitsanwendungen wirken auch heute noch. »zum Beitrag Vom Wassertreten bis zur Sole-Inhalation

ABBILDUNGEN
Beitragsbild © Marie Breitenbach, restliche Abbildungen siehe Bildunterzeilen

Lust auf mehr vom hochblau Verlag...


hochblau PLUS-Artikel. Mehr zu "hochblau PLUS".
Weiterleitung zu einer externen Website eines fremden Anbieters. Lies bitte hierzu unsere "Rechtlichen Hinweise".


hochblau eMagazin