Das Bergdorf Bader Alm
Das Bergdorf Bader Alm – ein Kleinod im Schwarzwald
Wenn man auf der Bader Alm ankommt, scheint die Welt kurz stillzustehen. Das rund 330 Jahre alte Bergdorf liegt auf 700 Metern Höhe mitten in der Natur – weit weg von Straßenlärm und Alltag. Hier lebt Fritz Bader, wie er sich selbst nennt und hat sich ganz dem historischen Baden verschrieben. Unsere Reporterin Aloisia Streicher wollte wissen: Wer ist dieser Mann, der Kräuterbäder in alten Holzzubern anbietet?
Die Leute kommen als Fremde und gehen als Freunde.
– Bader Reinhard Bosch –
Im Mittelalter war der Bader Treffpunkt für Körperpflege und Klatsch. Auf der Bader Alm im Schwarzwald lebt diese Tradition weiter. Das Bergdorf Bader Alm liegt bei Oppenau-Ibach im Schwarzwald. Die urromantisch ausgebaute Alm befindet sich auf 700 Metern Höhe, eingebettet in eine Bergwiese, durch die ein klarer Gebirgsbach fließt – im Sommer dient er als natürlicher Kühlschrank für die Getränke.
Ich besuchte den Bader frühmorgens um 10:00 Uhr zum verabredeten Interview. Die Blätter der Bäume haben noch Tautropfen und die ersten Sonnenstrahlen blitzen durch die Baumgipfel. Es soll ein schöner und sonniger Tag werden. Anfangs war ich skeptisch, denn es ist ein Freitag, der 13.. Aber die besondere Atmosphäre, hier auf der Bader Alm lässt mich das Datum schnell vergessen.
Von Ibach nach Hinter-Ibach dem Holzschild der Bader-Alm folgend, schlängelt sich ein schmaler Weg, ca. 3 km hoch zur Bader-Alm, Hausnummer 13. Auf halber Strecke liegt auf der rechten Seite ein alter Bauernhof mit Wegweisern, dass es hier spielende Kinder gibt. Der Weg zur Bader-Alm führt noch weiter hoch. Ein Auto kommt mir entgegen, jetzt wird es eng – puh – geschafft.
Ein Ortseingangsschild „Bergdorf Hinter-Ibach – Baden auf der Alm“ begrüßt mich. Mit frischen Bretzeln, die ich mitgebracht habe, gehe ich durch das große Eingangstor – das Tor zur Entspannung. Ich werde schon erwartet. Der Kaffee duftet und die Bretzel munden dem Bader ausgezeichnet.
Fritz Bader und die Kunst des ursprünglichen Badens
Reinhard Bosch, oder Fritz Bader, wie er sich gerne nennt, bietet das historische Baden in Holzzubern schon seit etwa 15 Jahren an. Auf die Frage, wie er eigentlich zu seinem ungewöhnlichen Namen kam, schmunzelt der Bader: „Wenn die Leute Brot kaufen, sagen sie: ‚Ich geh zum Bäcker.‘ Und wenn sie Wurst kaufen, dann eben zum Metzger. Warum also nicht zum Bader?“ Der Spitzname stammt von seinem Sohn, der bei Veranstaltungen lieber nicht „Papa“ rufen wollte – also nannte er ihn kurzerhand Fritz. Seitdem ist der Bader der Fritz.
Sein ursprünglicher Beruf: Masseur. Schon vor über zwanzig Jahren hat er Gäste in noblen Hotels behandelt. Doch irgendwann war ihm das nicht mehr genug. Als das Thema Wellness immer populärer wurde, wollte er zurück zum Ursprung – zum „Urbad in der Wanne“, wie er es nennt. Die Idee des historischen Badens war geboren: in alten Holzzubern, draußen in der Natur, begleitet von Peelings, Kreidepackungen, Kräutern und einer Massage.
Leben auf der Alm – Sommer wie Winter
Heute lebt der Bader mit seiner Frau fest auf der Bader Alm. Die beiden haben sich eine kleine Hütte ausgebaut, arbeiten von früh bis spät und betreuen ihre Gäste mit Hingabe. In den ruhigeren Zeiten macht er Holz – denn auf der Alm wird ausschließlich mit Holz geheizt. Der Holzofen liefert das heiße Wasser für die Zuber.
Und auch im Winter, wenn der Schnee vom Elsass herüberzieht und die Alm einhüllt, wird gebadet – bei eisiger Kälte, aber mit heißem, dampfenden Wasser. Es sei schon ein ganz besonderes und unvergessliches Erlebnis, im Zuber zu liegen, während rundherum der Schnee fällt, betont der Bader.
Feste, Feuer und Chauffeur Jakob
Zur Vorweihnachtszeit wird es gesellig: Rund um den Nikolaustag veranstaltet der Bader auf der Alm einen kleinen Weihnachtsmarkt – mit Dorfbäcker, Holzkünstlern, Töpfern und seinem Sohn Mariano, der als „Feuerkoch“ mit den Gästen am offenen Feuer kocht.
Auch der Hochzeitsstadel ist neu. Bis zu 80 Tagesgäste können hier feiern, zuletzt sogar bei einer amerikanischen Hochzeit mit freier Trauung am See. Für die Anreise sorgt ein eigener Oldtimer-Taxi-Service – Chauffeur Jakob holt die Gäste auf Wunsch direkt vom Ort ab.
Ein kleines Dorf mit großer Seele
Rund 20 Gäste finden auf der Bader Alm Platz. Um das Wohl aller kümmert sich „Franz“ – nun ja, eigentlich Ilona, die gute Seele des Hauses. Sie sorgt für Frühstück, Handtücher, Getränke und Massagen – und wurde vom Bader kurzerhand umgetauft, wie das hier eben so ist.
Sogar in Berlin war der Bader schon: Zur „Stallwächterparty“ des Landes Baden-Württemberg reiste er mit Zuber und Hütte an und zeigte dem politischen Berlin, wie sich Schwarzwald-Wellness anfühlt. Die kleine Hütte – heute liebevoll Chalet Berlin genannt – steht inzwischen wieder auf der Bader Alm. Wer dort übernachten will, sollte trittsicher und abenteuerlustig sein: Der Zugang führt über eine Leiter.
Zahlen, Daten, Fakten
HINWEIS DER REDAKTION
Aloisia Streicher hat das Interview mit Bader Reinhard Bosch schon 2020 geführt. Wir haben das Porträt der Bader Alm hier auf hochblau.com neu veröffentlicht. Bader Reinhard Bosch hat sich mittlerweile zurückgezogen und Sohn Mariano Bosch hat die Tradition des Baders übernommen und führt jetzt die Bader Alm. Die hochblau Redaktion wird sich deshalb erneut auf der Bader Alm umschauen und in einer der kommenden Ausgaben des hochblau Magazins ein Update veröffentlichen.
DIE BADER ALM
Die Bergdorf Bader Alm in Oppenau-Ibach im Schwarzwald ist ein idyllisches Rückzugsziel für Naturliebhaber und Erholungssuchende. Auf etwa 700 Metern Höhe gelegen, bietet die urige Almhütte gemütlichen Komfort. Ein besonderes Highlight ist das Baden im traditionellen Badezuber unter freiem Himmel, das mit warmen Kräuterbädern für pure Entspannung sorgt. Umgeben von herrlicher Natur laden zahlreiche Wander- und Mountainbiketouren zum Entdecken ein. Ein perfekter Ort, um Kraft zu tanken und das Schwarzwald-Flair in vollen Zügen zu genießen.
Website der Bader Alm:
www.bergdorf-bader-alm.de
EMPFEHLUNG DER REDAKTION
MIT DEM E-ROLLER AUF GROSSER FAHRT Zwei Elektro-Roller mit je etwa 130 Kilometer Reichweite. Im Sattel zwei Elektro-Enthusiasten und etwas Gepäck. Sechs Tage, 650 Kilometer Strecke – der Bodensee und der Schwarzwald. Wolfgang und Aloisia Streicher erlebten dieses Abenteuer und berichteten von unterwegs. »zum Beitrag Ein spannender Erlebnisbericht
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Beitragsbild © Aloisia Streicher, restliche Abbildungen siehe Bildunterzeilen
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