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Planetenwege – und was wir von ihnen lernen können

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Auf den Spuren unseres Sonnensystems

Planetenwege – und was wir von ihnen lernen können

Wandern entlang der Planeten – das klingt doch spannend. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Wo gibt es solche Wege – und welchen Sinn haben sie eigentlich? Ich habe mich auf Spurensuche begeben und mit Johannes Lind von der Sternwarte in Bad Kreuznach gesprochen.


Von Marie Breitenbach
21.08.2025 - 15:34
Lesezeit: ca. 4 Minuten


DIMENSIONEN ERLEBEN Planetenwege gibt es etliche, wie diesen hier in der Keplerstadt Weil der Stadt. Neben den Informationen zum jeweiligen Planeten werden die Dimensionen in unserem Sonnensystem über die Entfernungen der Infotafeln erlebbar Foto: Jean Secré

Es ist ein warmer Sommertag, ich schlenderte – wie so oft – durch meinen Lieblingspark, die Roseninsel in Bad Kreuznach. Plötzlich fiel mir eine Touristengruppe auf, die Fotos von einer goldglänzenden Skulptur machte. Es ist eine Sonnenuhr – eindrucksvoll und elegant. Sie zieht neugierige Blicke auf sich, von Einheimischen wie auch von Besuchenden. Ich muss gestehen: Ich habe mir nie große Gedanken gemacht, warum sie überhaupt dort steht. Sie passt eben gut ins Ensemble. Aber vielleicht steckt ja mehr dahinter?

Was sind Planetenwege?

Als ich genauer hinschaute, entdeckte ich eine Infotafel. Darauf ist die Sonne als Startpunkt des Planetenwegs Bad Kreuznach beschrieben. Planetenwege sind Wanderwege, auf denen ein maßstabsgetreues Modell unseres Sonnensystems dargestellt wird. Entlang des Weges sind Sonne und Planeten in realistischen Größen und Abständen aufgestellt. So erhält man ein greifbares Gefühl für die enormen Dimensionen des Weltalls.

"Die Planetenwege veranschaulichen den Abstand der Objekte in unserem Sonnensystem zueinander", erklärt Johannes Lind, zweiter Vorsitzender des Vereins Sternwarte Bad Kreuznach e.V., mit dem ich mich wenig später zu meiner Entdeckung austausche. "Man gewinnt dann durch die Wanderung entlang des Planetenwegs einen körperlichen Eindruck von den Relationen im Weltall und kann besser nachvollziehen, wie weit die Strecke von Planet zu Planet jeweils ist."

Spannend! Und ein bisschen peinlich ist es auch, dass ich bisher nichts davon wusste. Vielleicht geht es dir ja ähnlich – und wir können uns gemeinsam weiterbilden.

GOLDEN UND PRUNKVOLL Die eindrucksvolle Skulptur der Sonne markiert den Start auf dem Planetenweg in Bad Kreuznach Foto: Marie Breitenbach

Planetenwege in der DACH-Region

Tatsächlich sind Planetenwege weiter verbreitet, als ich zunächst dachte. In der DACH-Region – also Deutschland, Österreich und die Schweiz – laden viele solcher Wege zum Staunen, Lernen und Wandern ein.

In Deutschland findet man Planetenwege zum Beispiel in Bad Kreuznach, wo die Sternwarte den Weg seit Ende der 1990er Jahre betreibt. "Die Idee hatte unser damaliger Vereinsvorstand. Gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Rolf Ebbeke wurde die Idee dann in die Tat umgesetzt", berichtet mir Johannes Lind. Entlang des Weges stehen markante Skulpturen des Künstlers Gernot Meyer-Grönhof – aus Messing gefertigt und exakt nach astrophysikalischen Vorgaben umgesetzt.



Die Stadt Stuttgart hat einen Planetenweg und auch in der ihr nahe gelegenen schwäbischen Kleinstadt Weil der Stadt gibt es einen. Ebenso finden sich Planetenwege in vielen weiteren Städten und Gemeinden.

In Österreich liegt einer der schönsten Planetenwege in Eggersdorf bei Graz. Zudem lockt der Planetenweg in Purbach am Neusiedler See im Burgenland Besucher an. In der Schweiz begeistert der Planetenweg in Arosa Wandernde und Astronomiebegeisterte gleichermaßen. Auch in Zürich existiert ein Planetenweg.

HERR DER RINGE Der Saturn ist für sein ausgeprägtes Ringsystem bekannt – hier seine Infotafel auf dem Planetenweg in Bad Kreuznach. Der Gasriese ist der sechste Planet in unserem Sonnensystem Foto: Marie Breitenbach

Im Gespräch mit Johannes Lind von der Sternwarte Bad Kreuznach

"Die Menschen nehmen Sonne, Mond und Planeten im Alltag oft kaum mehr bewusst wahr", sagt Johannes Lind. "Doch sie bestimmen nach wie vor unseren Lebensrhythmus – ob Jahreszeiten oder Tagesverlauf. Sich das wieder vor Augen zu führen, schafft eine Art Demut, die heilsam für das persönliche Befinden sein kann."

Besonders Familien und Kinder schätzen den Planetenweg. "Am besten lässt er sich mit dem Fahrrad erkunden", so Lind. "Die Strecke verläuft entlang des Nahetal-Fernradwegs – eine lockere Radtour mit Infostopps an den Planeten, Spielplätzen und Eisdielen inklusive."

Auch sportlich kann der Weg genutzt werden: "Wer eine flache Joggingstrecke sucht, kann 12 Kilometer laufen – vom Startpunkt Sonne bis Pluto und wieder retour – und sich nebenbei weiterbilden." Schnell wird klar: Planetenwege verbinden Natur, Wissenschaft und Bewegung und lassen uns unser Sonnensystem eindrucksvoll erleben.

"Für mich war Pluto der eindrücklichste Moment", erinnert sich Lind. "Er liegt fast sechs Kilometer vom Startpunkt entfernt. Wenn man bedenkt, dass es nur wenige Meter von der Sonne bis zum ersten Planeten Merkur sind, wird plötzlich klar, welch riesigen Einfluss die Sonne hat. In der Realität sind das Millionen von Kilometern, und heute wissen wir, dass selbst das noch nicht alles ist und ihre Gravitation noch viel weiter reicht, denn unser Sonnensystem geht noch weit über den Kuipergürtel hinaus, in dem Pluto liegt."

Zahlen, Daten, Fakten

ÜBER DIE STERNWARTE BAD KREUZNACH
Die Sternwarte Bad Kreuznach wurde 1986 gegründet und wird seitdem von einem engagierten Verein getragen. Ziel ist es, Astronomie für alle erlebbar zu machen – mit Vorträgen, Beobachtungsabenden, Sonnenbeobachtung und Aktionen wie dem bundesweiten Astronomietag. Pro Jahr besuchen rund 2.500 Menschen die Veranstaltungen. Besonders beliebt sind die Angebote für Schulklassen, die Jugendgruppe sowie das Modellraketen-Basteln. Mit dem Planetenweg entlang der Nahe vermittelt die Sternwarte zudem die Dimensionen unseres Sonnensystems im Maßstab 1:1 Milliarde.

Adresse:
An der Sternwarte 2
55543 Bad Kreuznach

Weitere Informationen auf der Website der Sternwarte Bad Kreuznach:
sternwarte-kreuznach.de

ÜBER WEIL DER STADT
Weil der Stadt in Baden-Württemberg (Deutschland) ist eine historische Fachwerkstadt. Sie wird auch „Keplerstadt“ genannt, weil hier 1571 der berühmte Astronom und Mathematiker Johannes Kepler geboren wurde.

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ABBILDUNGEN
Beitragsbild © Jean Secré, restliche Abbildungen siehe Bildunterzeilen

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