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Kneipp: Vom Wassertreten bis zur Sole Inhalation

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Kneipp-Anwendungen erleben

Vom Wassertreten bis zur Sole-Inhalation

Vom Wassertreten im Storchengang nach Sebastian Kneipp bis zur salzhaltigen Luft der Gradierwerke – traditionelle Gesundheitsanwendungen wirken auch heute noch.


Von Marie Breitenbach
15.08.2025 - 13:30
Lesezeit: ca. 5 Minuten


SALZ LIEGT IN DER LUFT Am Freiluftinhalatorium in Bad Kreuznach heißt es: Durchatmen und genießen Foto: Marie Breitenbach

Es ist ein herrlich warmer Sommertag im Juli. Ich habe beschlossen, eine Runde durch den Kurpark in Bad Kreuznach zu spazieren. Ich mag diesen Ort sehr – nicht zuletzt wegen des Freiluftinhalatoriums und des Kneipp-Beckens zum Wassertreten.

Sommerhitze und Meeresbriese im Kurpark

Am Kneipp-Becken treffe ich Veronika und ihren Mann. Sie wohnen nicht in Bad Kreuznach, kommen aber regelmäßig hierher, um die besondere Atmosphäre der Stadt zu genießen. Nach dem Check-in im Parkhotel Kurhaus erfrischen sie sich am Becken und im Freiluft-Inhalatorium.

Veronika schätzt die Kneipp-Angebote besonders, denn in diesem Jahr hatten beide öfter mit Atemwegserkrankungen zu tun – jetzt möchten sie ihrer Gesundheit bewusst etwas Gutes tun. Was ihr an Bad Kreuznach gefällt: die Ruhe, die Weinberge, die frische Luft, die Aussicht – und vor allem der Kurpark mit seinen vielfältigen Kneipp-Möglichkeiten.

Hier ist ja alles, was man braucht –Veronika–

GEKONNT GENIESSEN Mit Hund im Arm den Storchengang meistern und gemeinsam das Kneipp-Becken erleben Fotos: Marie Breitenbach

Auch Bianca, die ihren Hund Snoopy auf dem Arm durchs Becken trägt – Hunde dürfen hier nicht ins Wasser – nutzt die Kneipp-Angebote vor allem nach ihrer Nachtschicht im Klinikum. „Das Tretbecken tut mir total gut, gerade bei dem Wetter“, erzählt sie. Snoopy scheint das Tragen sehr zu genießen, während sie die wohltuende Wirkung des Wassers erlebt. Zu diesem Ort hat sie eine persönliche Bindung: „Mein Onkel, Bernd Kossmann, hat die Salinen gebaut.“, sagt sie stolz.

Ihre Kinder seien von klein auf gesund und nahezu erkältungsfrei, betont sie. Schon früh nahm sie ihren Sohn regelmäßig mit in die Therme und im Winter genießt sie regelmäßig das Bäderhaus mit seinen Aufgüssen. „Ich schätze die Größe, Sauberkeit und das freundliche Personal sehr“, unterstreicht sie.

Es ist wie Urlaub, du hast den ganzen Tag den Salzgeschmack auf den Lippen. –Bianca–

Wassertreten im "Storchengang" – und warum es wirkt

Nachdem ich mit Bianca gesprochen habe, wage ich mich selbst ins Wasser. Am Beckenrand ziehe ich meine Schuhe aus und tauche langsam die Füße ins eiskalte Nass. Es ist sehr erfrischend.

Eine Metallstange rund um das Becken gibt Halt, während ich abwechselnd die Füße anhebe und im sogenannten „Storchengang“ durch das Wasser laufe. Schon nach wenigen Schritten spüre ich, wie gut es mir tut und wie ich die Hitze des Tages allmählich vergesse.

Der Storchengang sorgt dafür, dass die Kälte ihre Wirkung entfalten kann: Die Durchblutung wird angeregt, der Kreislauf kommt in Schwung und die Venen werden entlastet – besonders an warmen Tagen ein gutes Rezept gegen schwere Beine, Müdigkeit und leichte Kopfschmerzen.

Wie lange sollte man im Wasser bleiben? Laut Kneipp-Lehre reicht oft schon eine Minute – so lange, bis ein deutlicher Kältereiz spürbar wird. Wer mag und sich wohlfühlt, kann auch länger bleiben. Wichtig ist, dass man nicht friert und sich anschließend gut aufwärmt: Füße abtrocknen und barfuß durch das warme Gras laufen, ist die perfekte Ergänzung.

Wer seine Füße zusätzlich beanspruchen möchte, kann über den kleinen Barfußpfad neben dem Becken gehen, der Kiesel- und Natursteine enthält und die Durchblutung zusätzlich anregt.

Der Storchengang

Beim Kneipp’schen Wassertreten wird der Storchengang empfohlen: Die Beine werden abwechselnd vollständig aus dem Wasser gehoben, die Fußspitzen leicht nach unten, das Knie deutlich angehoben.
 

ENTSPANNUNG FÜR HERZ UND KREISLAUF Georg genießt das erfrischende Becken und das wohltuende Armbad Fotos: Marie Breitenbach

Auch Georg kommt gerade aus dem Kneipp-Becken. Wir kommen wieder ins Gespräch. Er erzählt mir, dass einige Salinen bereits abgebaut wurden. In Salinen, die auch als Gradierwerke bekannt sind, rieselt Sole über Schwarzdornwände, die Luft wird dadurch salzhaltig.

„Das stimmt mich etwas traurig“, sagt Georg, „es sollte mehr getan werden.“ Schmunzelnd zeigt er auf das Kneipp-Becken und fügt noch hinzu: „Es dürfte noch kälter sein.“ Doch trotz der kritischen Worte genießt er das Wassertreten und die salzhaltige Luft sichtlich. Wie er mir sagt, hat ihm beides nach einer Herzerkrankung gesundheitlich sehr geholfen.

Soleluft im Freiluftinhalatorium

Während meine Füße langsam in der warmen Sommerluft trocknen, zieht es mich zum nahen Freiluftinhalatorium. Schon von Weitem bemerke ich den feinen, salzigen Duft in der Luft – wie eine Meeresbrise mitten im Grünen.

Bad Kreuznach gilt als einer der traditionsreichsten Kurorte Deutschlands, wenn es um die Anwendung von Sole geht. Zwischen dem Kurpark und dem benachbarten Salinental stehen sieben große Gradierwerke mit einer Gesamtlänge von etwa 1.300 Metern. Sie verteilen sich auf eine rund 37 Hektar große Parklandschaft – ein europaweit einzigartiges Ensemble, das ohne Eintritt zugänglich ist.

Alles, was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reichlich geschenkt. –Sebastian Kneipp–

BITTE LESEN & FESTHALTEN Eine Hinweistafel informiert am Becken, der Handlauf sorgt dabei für Sicherheit Fotos: Marie Breitenbach

Wissenschaftlich belegt: So wirkt Kneipp

Regelmäßige Anwendungen wie Wassertreten oder das Einatmen salzhaltiger Luft im Freiluftinhalatorium wirken nachweislich positiv auf die Gesundheit:

  • Stärkung des Immunsystems: Studien zeigen, dass regelmäßiges Wassertreten die Aktivität der Immunzellen anregt und die Anfälligkeit für Atemwegsinfekte senkt.
  • Unterstützung der Atemwege: Die Sole-Inhalation an Gradierwerken befeuchtet die Schleimhäute und kann bei Asthma, Bronchitis oder Allergien die Atmung erleichtern.
  • Förderung des Herz-Kreislauf-Systems: Wechselreize durch Wassertreten trainieren die Blutgefäße, regen die Durchblutung an und stabilisieren den Kreislauf.
  • Schutz für Kinder: Pilotstudien zeigen, dass Kinder, die regelmäßig hydrotherapeutische Anwendungen nutzen, seltener an Erkältungen leiden.

Besonders eindrucksvoll sind die beiden Gradierwerke im Kurpark selbst: Sie liegen eingebettet zwischen altem Baumbestand und dem historischen Solezerstäuber von 1928, der einen feinen Sole-Nebel in die Luft abgibt.

Sobald die salzhaltige Sole über die dichten Reisigwände aus Schwarzdorn rieselt, entstehen winzige Tröpfchen – sogenannte Aerosole –, die mit jedem Atemzug tief in die Lunge gelangen. Die Wirkung ähnelt der Luft am Meer: Sie befeuchtet die Schleimhäute, kann die Atmung erleichtern und sich positiv auf chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis auswirken.

Auch bei Allergien oder Hautproblemen berichten viele Menschen von Linderung. Ein zusätzlicher Vorteil offenbart sich an heißen Tagen: Die Umgebungsluft kühlt sich durch die Sole-Verdunstung spürbar ab – um bis zu zehn Grad. Kein Wunder also, dass viele Besucher:innen es sich auf den Bänken vor dem Inhalatorium gemütlich machen, tief durchatmen und so zur Ruhe kommen.

Der Ursprung der Kneipp-Anwendungen: Wer war Sebastian Kneipp?

Die Wurzeln der Kneipp-Therapie liegen im 19. Jahrhundert und sind eng mit Sebastian Kneipp verbunden, einem katholischen Priester aus dem bayerischen Bad Wörishofen. Als junger Mann kämpfte Kneipp gegen Tuberkulose, eine damals häufig tödliche Krankheit, und entwickelte durch eigene Erfahrungen und intensive Studien eine Naturheilmethode, die Wasser als zentrales Element nutzt.

Kneipp erkannte, dass kaltes Wasser in Form von Wechselbädern, Wassertreten oder kalten Güssen den Kreislauf stärkt, das Immunsystem aktiviert und die Gesundheit fördert. Ergänzt wurde sein Konzept durch Bewegung, Kräuterheilkunde, gesunde Ernährung und eine bewusste Lebensführung.

Diese ganzheitliche Methode breitete sich rasch aus und prägt bis heute die Naturheilkunde und Kur-Traditionen vieler Orte, darunter auch Bad Kreuznach. Das Bundesministerium für Gesundheit hebt die Kneipp-Therapie als bewährtes Verfahren hervor, das Körper, Geist und Seele in Einklang bringen soll.
 

Noch heute tragen diese wohltuenden Anwendungen den Namen Kneipp und stehen für eine Verbindung von Tradition und moderner Gesundheitsvorsorge, basierend auf den Erkenntnissen des bayerischen Pfarrers und Naturheilkundlers.

Die Sole-Inhalation gehört zwar nicht zu den klassischen Kneipp-Anwendungen, ergänzt aber das Konzept durch wohltuende Atemluftreize.

EINFACH DURCHATMEN WIE AM MEER Die Salinen im Kurpark von Bad Kreuznach spenden gesunde Luft, das Freiluftinhalatorium lädt zum Verweilen ein Fotos: Marie Breitenbach

Weitere Orte mit Salzluft und Kneipp-Anwendungen

Neben Bad Kreuznach locken zahlreiche Kurorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit salzhaltigen Anwendungen und gesundheitsfördernden Sole-Therapien:

🇩🇪 Deutschland

  • Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) – großer Kurpark mit Gradierwerken, Freiluft-Inhalatorium und Kneipp-Anwendungen.
  • Bad Münster am Stein-Ebernburg (Rheinland-Pfalz) – nur wenige Kilometer von Bad Kreuznach entfernt, sorgen zwei Gradierwerke in einer historischen Anlage von 1729 für salzhaltige Luft.
  • Bad Salzuflen (Nordrhein-Westfalen) – historische Gradierwerke, salzhaltige Luft in der Innenstadt, Kneipp-Kurort.
  • Bad Nauheim (Hessen) – imposante Gradierbauten, Kneipp-Anwendungen und Solebäder.
  • Bad Reichenhall (Bayern) – Solequellen, Gradierhaus und Kneipp-Angebote im Königlichen Kurgarten.

🇦🇹 Österreich

  • Bad Ischl (Oberösterreich) – traditionsreicher Kurort mit Soleinhalationen, Kneipp-Anwendungen und Salzgeschichte.
  • Bad Hall (Oberösterreich) – bekannt für Jodsole und Kneipp-Angebote, Luftkurort.
  • Hallein (Salzburg) – Soletradition durch Salzbergwerk, Anwendungen mit Sole und Kneipp-Angeboten.

🇨🇭 Schweiz

  • Rheinfelden (Aargau) – berühmte Rheinfelder Natursole, Solebad & Kneipp-Anwendungen.
  • Bex (Waadt) – Salzminen mit Soletradition, Anwendungen in der Region.
  • Bad Ragaz (St. Gallen) – Thermal- und Solebäder, mit Kneipp- und Naturheiltradition verbunden.

Zahlen, Daten, Fakten

ÜBER SEBASTIAN KNEIPP
Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 in Stephansried im Allgäu geboren. Der katholische Priester erkrankte als junger Mann an Tuberkulose und linderte seine Beschwerden durch Bäder in der kalten Donau – der Beginn seiner späteren Lehre. In Wörishofen entwickelte er ein ganzheitliches Naturheilverfahren, das auf fünf Säulen basiert: Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung. Kneipp wurde europaweit bekannt und zog Kurgäste aus aller Welt an. Er starb am 17. Juni 1897 in Wörishofen.

ÜBER BAD KREUZNACH
Bad Kreuznach (etwa 54.168 Einwohner) in Rheinland-Pfalz ist bekannt für seine imposanten Gradierwerke, die salzhaltige Luft zum Durchatmen spenden. Im Kurpark verbinden sich Kneipp-Anwendungen, Sole-Inhalationen und idyllische Spazierwege zu einem besonderen Gesundheits- und Naturerlebnis. Umgeben von Weinbergen und mit Blick auf den Fluss Nahe bietet die Stadt eine Mischung aus Erholung, Tradition und rheinischem Lebensgefühl.

Anreise:

  • Auto: Parkmöglichkeiten in der Innenstadt
  • Bus: Verschiedene Linien halten in der Nähe der Kurpark- und Salinenanlagen
  • Bahn: Bahnhof Bad Kreuznach, von dort fußläufig in die Innenstadt

Mehr Infos auf der Website der Stadt Bad Kreuznach:
bad-kreuznach-tourist.de

EMPFEHLUNG DER REDAKTION
ACHTSAME MOMENTAUFNAHMEN Vom Glück, einen Garten zu haben, der beruhigenden Wirkung von Schaukeln und der farbenfrohen Schönheit wilder Wiesen. »zum Beitrag Ein Morgen im Garten

ABBILDUNGEN
Beitragsbild © Marie Breitenbach, restliche Abbildungen siehe Bildunterzeilen

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