Bayreuth neu entdecken: Vom Wagner-Mekka zum internationalen Geheimtipp

Kulturstadt in Oberfranken

Bayreuth: Vom Wagner-Mekka zum internationalen Geheimtipp

Eine oberfränkische Stadt mit 75.000 Einwohner:innen rückt ins globale Rampenlicht: Die New York Times setzt Bayreuth 2026 auf ihre „52 Places to Go“-Liste – als einzige deutsche Destination. Grund dafür ist das 150-jährige Jubiläum der Bayreuther Festspiele. Doch wer nach Bayreuth fährt, entdeckt schnell: Die Stadt bietet weit mehr als Wagner und Weltklasse-Oper.


Von Jean Secré
20.02.2026
Lesezeit: ca. 4 Minuten


INNENSTADT Historische Fassaden, kleine Läden und barocke Architektur prägen das Stadtbild Bayreuths und verleihen der Altstadt ihren besonderen Charme Foto: Val Thoermer/Adobe Stock

Eine kleine Stadt in Oberfranken, irgendwo zwischen Nürnberg und den Höhen des Fichtelgebirges. Hier, wo viele den Namen vor allem mit Richard Wagner verbinden, passiert etwas, das sonst vor allem Weltmetropolen wie Bangkok oder Barcelona widerfährt: Bayreuth landet auf der Reise-Bucket-List der New York Times.

Für 2026 führt die renommierte US-Zeitung Bayreuth als einziges deutsches Ziel in ihrer Liste „52 Places to Go“ – und setzt die Stadt auf Platz 12 der Aufzählung. Offiziell ist das zwar kein Ranking, sondern eine kuratierte Inspirationsliste. Doch wer es hierher schafft, bekommt international Aufmerksamkeit, gerade auch aus dem nordamerikanischen Markt.

Begründung der Redaktion: Das Opernfestival auf dem Grünen Hügel feiert sein 150-jähriges Bestehen und gilt in der Opernwelt als einzigartig. Die Tickets sind heiß begehrt, seit 1876 zieht das Festspielhaus Musikfans aus aller Welt an. Gleichzeitig ist die Liste eine Einladung, Bayreuth jenseits des Festspielrausches zu entdecken – als Stadt mit Geschichte, Alltag und viel Natur vor der Haustür.

FESTSPIELE Richard Wagner als Bronzestatue vor dem Festspielhaus: Der „Grüne Hügel“ ist seit 1876 Bühne für eines der bedeutendsten Opernereignisse der Welt Foto: DEFOTO Dirk Ellmer/Adobe Stock

Bayreuth auf der Weltkarte

Für viele Opernfreund:innen ist Bayreuth seit langem ein Sehnsuchtsort. Doch wer nicht tief in der Klassikblase unterwegs ist, hatte die Stadt bisher eher selten auf dem Reiseschirm. Das dürfte sich ändern: Die „52 Places to Go“-Liste der New York Times gilt seit rund zwei Jahrzehnten als eine der einflussreichsten Reiseempfehlungen der Welt. Jedes Jahr stellt die Redaktion 52 Orte vor – symbolisch einer pro Kalenderwoche, ausgewählt von Korrespondent:innen und Reisejournalist:innen.

In diesem Jahr rückt der Blick nach Oberfranken. Die New York Times hebt das Festival auf dem Grünen Hügel als Opernereignis hervor, das es so nur einmal auf unserem Globus gibt. Das Festspielhaus, in den 1870er-Jahren nach Wagners Vorstellungen gebaut, bietet nicht nur außergewöhnliche Akustik, sondern auch eine ganz eigene Dramaturgie: Der Orchestergraben ist unsichtbar, der Zuschauerraum reduziert, das Erlebnis konzentriert sich auf Musik und Bühne.

Spannend wird Bayreuth aber gerade dann, wenn du den Hügel wieder hinuntersteigst. Denn die internationale Empfehlung macht neugierig auf die Frage: Was passiert hier, wenn keine Overtüre erklingt, kein Orchester probt und der rote Teppich eingerollt ist?

RICHARD WAGNER Haus Wahnfried, einst Wohnsitz Richard Wagners, ist bis heute ein zentraler Erinnerungsort der Musikgeschichte und Teil des kulturellen Selbstverständnisses Bayreuths Foto: Peter Stein/Adobe Stock

Stadtgeschichte und barocker Charme

Wer durch die Innenstadt schlendert, spürt schnell: Bayreuth ist mehr als Festival-Kulisse. Im 18. Jahrhundert nutzte das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine die Stadt als Bühne für seine Vorstellung von repräsentativem Leben. In dieser Zeit entstanden viele der Bauten, die das Stadtbild bis heute prägen.

Herzstück dieser Epoche ist das Markgräfliche Opernhaus. Das prunkvolle Theater im Herzen der Stadt gilt als Meisterwerk des deutschen Rokoko – und wurde 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Wer das Haus besucht, bekommt eine Ahnung von der Lust an Inszenierung, die Bayreuth schon lange vor Wagner kannte.

Rundherum mischen sich barocke Fassaden, Bürgerhäuser und moderne Akzente. Kleine Läden, Cafés mit Straßentischen und Brauereiwirtschaften erzählen vom Alltag einer Uni- und Kulturstadt, in der Studierende, Festspielpublikum und Einheimische an denselben Tischen sitzen. Zwischen Marktplatz, Fußgängerzone und Seitenstraßen öffnet sich immer wieder der Blick in Innenhöfe, Gärten und auf versteckte Kirchen.

Wer Zeit mitbringt, verlängert den Stadtrundgang hinaus ins Grüne: zur historischen Parkanlage Eremitage mit ihren Wasserspielen oder in andere barocke Gartenräume rund um Bayreuth. Hier wird sichtbar, wie eng Hofkultur, Landschaftsgestaltung und das Bedürfnis nach Rückzug schon früher zusammengehörten.

MARKTPLATZ Der Herkulesbrunnen im Herzen der Stadt steht sinnbildlich für Bayreuths Verbindung von Geschichte, Bürgerstolz und lebendiger Stadtkultur Foto: Jan Schuler/Adobe Stock

Mehr als Wagner: Kultur, Natur und Alltag

Natürlich bleibt das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel ein Magnet. Selbst wenn du keine Karte ergatterst – im Jubiläumsjahr sind die Aufführungen früh ausverkauft – lohnt sich der Weg hinauf: für den Blick über die Stadt, für die besondere Atmosphäre rund um Proben, Fanfaren und Picknickdecken im Park.

Doch Bayreuth arbeitet längst daran, nicht nur als Sommerbühne wahrgenommen zu werden. Urban-Art-Projekte, Ausstellungen moderner Kunst und kleine Bühnen bringen Gegenwart in die Traditionsstadt. Museen erzählen von Wagner und seiner Zeit, aber auch von regionaler Geschichte, Kunsthandwerk und der berühmten Bierkultur Oberfrankens.

Zwischen all dem liegt viel Alltagsleben: Wochenmarkt am Herkulesbrunnen, Studierende auf dem Weg zur Vorlesung, Familien beim Spaziergang am Opernhaus. Wer sich treiben lässt, erlebt Bayreuth als Ort, an dem Hochkultur und unkomplizierter Stadtalltag nah beieinander liegen.

Und dann ist da noch die Natur: Nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt beginnt der Röhrenseepark im Süden der Stadt – eine Mischung aus historischem Stadtpark, Tiergehegen und Spazierwegen entlang des Wassers. Der Eintritt ist frei, die Wege sind das ganze Jahr über zugänglich, und der See lädt im Sommer genauso wie an klaren Wintertagen zu entspannten Runden ein.

Wer mehr Zeit hat, nutzt Bayreuth als Basislager. Zwischen Fichtelgebirge und Fränkischer Schweiz gelegen, ist die Stadt ein praktischer Startpunkt für Tageswanderungen, Radtouren, Kletterfelsen oder einfach aussichtsreiche Landstraßen mit Blick auf Felsen, Burgen und Täler.

Eine Einladung nach Bayreuth

Wenn internationale Medien Bayreuth plötzlich feiern, sprechen manche Kommentator:innen von einem „späten Ritterschlag“. Die Stadt, so der Tenor, sei schon immer sehenswert gewesen – nur habe sie zu oft im Schatten größerer Namen wie Nürnberg oder München gestanden.

Der Reiz liegt vielleicht gerade darin, dass Bayreuth kein glatter Themenpark ist. Stattdessen triffst du auf eine Stadt, die Kultur mit Alltag kombiniert: auf Menschen, die auf dem Weg zum Bäcker am UNESCO-Opernhaus vorbeifahren; auf Musikfans, die nach der Vorstellung im Biergarten sitzen; auf Kinder, die im Schatten historischer Fassaden spielen.

Ob Bayreuth noch ein Geheimtipp ist, lässt sich diskutieren – als „versteckte Größe“ kann man die Stadt dennoch bezeichnen. Wer sich auf den Weg macht, findet eine Kulturstadt mit Tiefgang, eine lange Geschichte und genug Momente, um diese wahrzunehmen.

Vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieser Empfehlung: nicht nur ein Häkchen auf der Liste „52 Places to Go“ zu setzen, sondern sich Zeit für eine Stadt zu nehmen, die auch ausserhalb der Festspielzeit viel zu bieten hat.

Zahlen, Daten, Fakten

DIE NEW YORK TIMES LISTE
Die „52 Places to Go“-Liste der New York Times gilt seit rund zwei Jahrzehnten als eine der einflussreichsten internationalen Reiseempfehlungen. Jedes Jahr im Januar veröffentlicht die US-Zeitung 52 Destinationen weltweit – symbolisch eine für jede Woche des Jahres. Die Auswahl erfolgt durch Reisejournalist:innen und Korrespondent:innen der Redaktion und ist kein klassisches Ranking, sondern eine kuratierte Inspirationsliste. Wer dort erscheint, erhält in der Regel erhebliche internationale Aufmerksamkeit – insbesondere im nordamerikanischen Markt.

Zur Liste der NY Times „Places to travel destinations 2026“:
Liste auf nytimes.com

BAYREUTH: KULTURSTADT MIT WELTRUF
Bayreuth wurde für 2026 als einziger deutscher Ort in die „52 Places to Go“-Liste der New York Times aufgenommen – Anlass ist vor allem das 150-jährige Jubiläum der Bayreuther Festspiele. Doch die Stadt bietet mehr als Operngeschichte: Mit dem UNESCO-Welterbe Markgräfliches Opernhaus, der Eremitage, barocken Parkanlagen und einer lebendigen Museums- und Bierkultur verbindet Bayreuth Residenzarchitektur mit oberfränkischer Gelassenheit. Eingebettet zwischen Fichtelgebirge und Fränkischer Schweiz ist die Stadt zudem ein Ausgangspunkt für Wander- und Radtouren.

Offizielle Website Bayreuth Tourismus:
www.bayreuth-tourismus.de

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ABBILDUNGEN
Beitragsbild © Val Thoermer/Adobe Stock, restliche Abbildungen siehe Bildunterzeilen

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